Die Zahlen scheinen rückläufig! - Drohen dennoch bald härtere Strafen?

 

Auch Wohnungseinbrüche und Eigentumsdelikte, lange Zeit das große „Sorgenkind“ innerhalb der Kriminalitätsstatistiken, scheinen nun rückläufig zu sein. Jedenfalls vermelden das Saarland, aber auch NRW, erfreuliche Zahlen ...

So ist im vergangenen Jahr die Zahl der Wohnungseinbrüche in Nordrhein-Westfalen um nahezu 16 Prozent gesunken. Und zwar von 62.362 Fällen in 2015 auf 52.578 Delikte im Jahr 2016.

 

Fallzahlen rückläufig!

NRW-Innenminister Ralf Jäger sieht hier einen beachtlichen Erfolg. Einen (neuen) Trend, der sich offenbar auch 2017 fortsetzt. Fast jeder zweite Einbruchsversuch könne mittlerweile bereits gestoppt werden. Entweder, weil die Täter an den technischen Sicherungen scheitern, weil sie keine Beute vorfinden oder aber weil sie von aufmerksamen Nachbarn gestört werden.

Tatsächlich sieht man hier, in aufmerksamen Nachbarn, auch bei den bayerischen Sicherheitsbehörden eine unverzichtbare Hilfe. Die meisten Diebe spähen ihre Zielobjekte zunächst nämlich aus; Nachbarn, die Fremde und unbekannte Personen ansprechen, können damit viele Einbrecher bereits im Vorfeld vertreiben.

Die suchen sich dann lieber ein anderes Objekt, wo sie ungestört sind.

 

Thema Flüchtling:

Doch zurück nach NRW. Hier erfasst die neue Statistik erstmals auch die Kriminalität von Zuwanderern. Ein Thema, das bekanntlich in Politik wie auch an Stammtischen stark diskutiert wird.

Laut offizieller Statistik, hat allein Nordrhein-Westfalen im Zuge der Flüchtlingsbewegung über 500.000 Menschen aufgenommen; über 300.000 davon blieben dauerhaft. Trotzdem ist die Gesamtzahl der Straftaten im Jahr 2016 zurückgegangen. Landesweit wurden, so das Innenministerium, rund 1,47 Millionen Straftaten begangen: „Das sind 48.000 oder 3,2 Prozent weniger als 2015!“

Bei näherer Betrachtung der Quoten zeigt sich, dass unter den insgesamt 475.908 ermittelten Tatverdächtigen 47.754 Zuwanderer waren. Dabei bewegen sich die von diesem Personenkreis verübten Delikte meist im Bereich von Leistungserschleichungen (Schwarzfahren) sowie im Sektor Ladendiebstahl.

 

Taschendiebstähle rückläufig!

Der insgesamt erfreuliche Rückgang bei den Eigentumsdelikten betrifft übrigens auch die Taschendiebstähle, die seit 2013 erstmals rückläufig (fast sieben Prozent) sind. Gerade hier geht es, laut Jäger, darum, kriminelle „Karrieren“ bereits frühzeitig zu unterbinden und den oftmals jugendlichen Tätern Alternativen aufzuzeigen.

Tatsächlich stammen rund 70 Prozent der Tatverdächtigen im Sektor Taschen- und Trickdiebstahl aus Rumänien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Marokko und Algerien und fallen, aufgrund des Alters der Täter, in den Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität.

 

Die Opfer im Blick:

Natürlich geht es aber auch darum, dass Politik und Behörden das Leid der Opfer im Blick haben: Denn gerade Wohnungseinbrüche hinterlassen bei den Opfern seelische Narben.

Schlafstörungen, permanentes Misstrauen und Panikattacken sind keine Seltenheit; verschiedene Statistiken gehen davon aus, dass bis zu 75 Prozent der Einbruchsopfer mit psychischen Langzeitfolgen zu kämpfen haben. Der Spiegel sprach (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/tag-der-kriminalitaetsopfer-nach-dem-einbruch-bleibt-die-angst-a-959993.html) daher schon einmal von einer Angst, die bleibt.

Viele Betroffene sind auf professionelle Hilfe angewiesen. Und leiden um so mehr, wenn die Täter nach einer kurzen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

 

Greift die Politik nun härter durch?

Die Pläne von Bundesjustizminister Heiko Maas, Einbruch härter zu bestrafen, dürften daher zumindest bei den Betroffenen auf breite Zustimmung stoßen. Geplant ist derzeit eine Anhebung der Mindest(gefängnis)strafe auf mindestens 1 Jahr. Zudem soll offenbar der Tatbestand des „minder schweren Einbruchs“ wieder abgeschafft werden.

 

Branche boomt!

Trotz der Bemühungen von Politik und Polizei boomt übrigens der Verkauf von Alarmanalgen, Equipment zur Videoüberwachung oder Sicherheitsfolien, die einen Einbruch erschweren. Zum einen, weil es für eine Entwarnung zu früh ist.

Zudem unterliegt unser Sicherheitsempfinden individuellen und subjektiven Aspekten. Allein ein Blick auf die Statistik kann damit nicht zwangsläufig beruhigen!